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Die praktische Abwicklung der Erbschaft
Im Falle des Todes des/r Ehegatten/in fallen zumeist Trauer und die Anforderungen der Notwendigkeit der Erbschaft zusammen. Eine Situation, die häufig vom Hinterbliebenen Ehegatten als Zumutung erlebt wird und in der wichtige rechtliche Schritte unterbleiben.


Haushalt

Keine Sorge um den Haushalt: Vor jeder Erbauseinandersetzung gehört Ihnen der Haushalt, den Sie mit Ihrem Ehepartner zusammen geführt haben. Haben Sie Kinder, dann umfasst dieser so genannte Voraus des Ehegatten nur die Gegenstände der Haushaltsführung. Auf persönliche Gegenstände Ihres Mannes haben auch die Kinder einen Anspruch, und so fallen diese unter den Nachlass.

Sind keine Kinder da, dann gehören nur die ausgesprochenen Luxusgüter des Haushalts (etwa der teure Perserteppich oder das Luxusauto) zum Nachlass. Alle anderen Gegenstände des Haushalts gehören als so genannter Ehegatten-Voraus Ihnen. Übrigens: die Hochzeitsgeschenke, die Sie zur Hochzeit erhalten haben, kann Ihnen keiner nehmen. Sie gehören Ihnen. Der Voraus gehört Ihnen nur dann automatisch, wenn kein Testament vorliegt: als so genanntes gesetzliches Vermächtnis. Wenn Ihr Gatte/Gattin ein Testament erstellt, muss er/sie darauf achten, Ihnen den Haushalt als Vermächtnis ausdrücklich zukommen zu lassen.


Gemeinsame Konten
Ist ein Konto auf Ihren Namen eingetragen befindet es sich in Ihrem alleinigen Besitz: es wird also vom Erbfall und etwaigen Auseinadersetzungen überhaupt nicht berührt. Gemeinsame Konten mit Ihrem Ehemann dagegen können Sie aufgrund Ihrer bestehenden Vollmacht weiterbenutzen.
Ist das Konto nur auf den Namen Ihres Ehemanns bei der Bank eingetragen, gehört es zum Nachlass. Die Bank schließt dieses Konto automatisch. Sie dürfen über dieses Konto nur noch mit einem Erbschein verfügen, den Sie beim Nachlassgericht beantragen müssen.
Die gesamten Bestattungskosten können aber über dieses Konto abgerechnet werden. Dazu sind der Bank die Rechnungen vorzulegen.


Erbschein
Hat der Verstorbene ein Testament verfasst und es zuhause aufbewahrt, so sind Sie verpflichtet, dieses Testament beim zuständigen Nachlassgericht unverzüglich abzuliefern. Zuständig für den Nachlass ist das Amtsgericht des Bezirks, in dem der/die Verstorbene seinen/ihren letzten Wohnsitz hatte. Auch wenn Sie meinen, dass das Testament aus irgendeinem Grund nicht mehr gültig ist, müssen Sie das Testament dem Nachlassgericht übergeben. Erst das Gericht befindet über die Gültigkeit oder Ungültigkeit des Testaments.  

Das Erbe annehmen oder ausschlagen.
Wenn Sie beim Nachlassgericht nicht vorsprechen, dann gilt das Erbe nach einer bestimmten Frist als angenommen. Innerhalb von sechs Wochen, nachdem Sie erfahren haben, dass und warum Sie geerbt haben, können Sie das Erbe ausschlagen. Hat Ihr Ehepartner kein Testament hinterlassen, dann beginnt diese Frist mit dem Erbfall. Hat Ihr/e verstorbene/r Gatte/in ein Testament hinterlassen, dann beginnt die Frist mit der Eröffnung des Testaments, durch die Sie von Ihrem Erbe in Kenntnis gesetzt werden. Wenn Sie die Sechswochenfrist verstreichen lassen, erben Sie mit dem Nachlass auch sämtliche Verbindlichkeiten und Schulden des/der Verstorbenen.  

Den Erbschein beantragen
Beim Amtsgericht beantragen Sie auf einem Vordruck die Ausstellung eines Erbscheines, der Ihnen Zugang zu den Konten und anderen Vermögenswerten verschafft. Auf dem Erbschein sind sämtliche Erben verzeichnet.


Grundbuch

Haben Sie den Erbschein erhalten, können Sie damit die Eintragung im Grundbuch, in denen Ihr Mann/Ihre Frau als Eigentümer/in verzeichtet ist, auf Ihren Namen (oder ggf. die Namen der Mitglieder der Erbgemeinschaft) ändern lassen.  

Finanzamt
Innerhalb von drei Monaten sollten Sie dem Finanzamt die Erbschaft anzeigen. Versäumen Sie diese Meldung, können Sie mit einer Aufforderung des Finanzamtes rechnen, auf einem Vordruck eine Steuererklärung abzugeben. Standesämter, Gerichte und Notare melden den Sterbefall dem Finanzamt.


Gesetzliche Erbfolge
Kein Testament oder Erbvertrag – wer erbt? Wir zeigen Ihnen hier auf, was geschieht, wenn kein Testament oder Erbvertrag gemacht wurde.
Unsere Beispiele sollen Sie zum Nachdenken anregen. Unsere Hinweise und Ausführungen ersparen Ihnen nicht eine Beratung mit einem Juristen. Wir wollen und können das Erbrecht nicht in allen Einzelheiten darstellen. Richtig beraten sind Sie bei einem Notar oder Anwalt.

Sie sind verheiratet ohne Kinder
Hinterlassen Sie kein Testament dann erbt Ihr Ehegatte. Zugleich aber erben auch Ihre Eltern als Verwandte zweiter Ordnung. Sollten Ihre Eltern verstorben sein, treten Ihre Geschwister oder deren Nachkommen in die Erbfolge ein. Ihr Ehegatte bildet zusammen mit den Miterben eine Erbengemeinschaft. Erbengemeinschaft bedeutet: jedem der Erben gehört ein Anteil des Nachlasses. Keinem der Erben gehört eine einzelne Immobilie oder ein einzelner Gegenstand aus der Erbmasse allein.

Sie sind verheiratet und haben Kinder
Setzen Sie kein Testament auf, dann erben Ihr/e Ehepartner/in und Ihre Kinder. Gemeinsam bilden Ihr/e Ehepartner/in und Ihre Kinder eine Erbgemeinschaft. In der Erbengemeinschaft gehört jedem Erben ein Anteil am Nachlass, keinem Mitglied der Erbengemeinschaft kommt aber ein einzelner Gegenstand oder eine einzelne Immobilie des Nachlasses allein zu. Im Klartext bedeutet das: da jedem Erbe ein Anteil zum Beispiel am Haus oder am Grundstück gehört, können nur alle Erben gemeinsam über den Nachlass verfügen. Nur die Erbengemeinschaft als Ganzes kann bestimmen.

Fazit: die Verfügungsgewalt Ihres Ehepartners über den Nachlass ist in der Erbengemeinschaft mit den Kindern erheblich eingeschränkt. Genauso aber sind die Kinder auf die Zustimmung Ihres Ehegatten angewiesen, wollen sie über Ihr Erbe verfügen. Eine Situation, die zu unerfreulichen Konflikten innerhalb der Familie führen kann.

Sie sind ledig mit Kindern
Ihr Kind oder Ihre Kinder erben als Erbe erster Ordnung vor allen anderen Verwandten Ihren gesamten Nachlass. Eine eindeutige Situation. Bei einem minderjährigen Kind allerdings wird die Situation komplizierter. Das Vormundschaftsgericht wird zum Wohle des Kindes einen Vormund unter den Verwandten des Kindes suchen. Und auch der andere Elternteil – soweit bekannt – kommt hier in Frage.
Eine Lösung, die vielen ledigen Eltern nicht recht ist, hat doch der andere Elternteil häufig keine Beziehung zu den Kindern. Wie auch immer: der durch das Gericht bestellte Vormund übernimmt mit dem Sorgerecht über die Kinder meist auch die Verfügung über das gesamte Vermögen der Kinder, also auch über die Erbschaft.

Allein oder in Lebensgemeinschaft
Leben Sie allein oder als Lediger in einer Lebensgemeinschaft, dann sind Ihnen gegenüber nach dem Gesetz nur Ihre Blutsverwandten erbberechtigt. Zuerst erben Ihre Eltern zu gleichen Teilen. Sollte einer der Eltern verstorben sein, treten dessen Nachkommen für ihn in Erbfolge. Den Eltern stehen als einzigen Verwandten Pflichtteile zu, soweit sie durch Verfügung von Todes wegen übergangen werden. Ein Anspruch, den Sie bei der Wahl von Wunscherben oder einem Testament zugunsten Ihres Lebenspartners berücksichtigen müssen. Das Ergebnis dieser Erbfolge nach der Blutsverwandtschaft bleibt in einer Hinsicht immer das gleiche: Ihre nächsten Freunde oder Lebenspartner/in und eventuell dessen/deren Kinder, mit denen Sie zusammengelebt haben und zu denen Sie eine enge Beziehung haben, gehen leer aus.

Nicht einmal auf den gemeinsamen Haushalt hat Ihr Lebenspartner einen Anspruch. Ihr Lebenspartner verliert die Wohnung, die Sie gemeinsam nutzen, wenn Sie Ihnen alleine gehört. Ihr Lebenspartner verliert den Teil der Haushaltsausstattung, der Ihnen gehört. Oder er muss sich mit Ihren Erben auf einen Kaufpreis einigen. Ihr Lebenspartner verliert so auch die lieben Erinnerungstücke aus dem gemeinsamen Leben, wenn die Erben sie fordern.

Ab wann gelte ich als geschieden?

Nicht die rechtskräftige Scheidung löst die Bindung zwischen Ehegatten. Liegen die Scheidungsvorausstetzungen vor, haben Sie also drei Jahre nicht mehr zusammengelebt und liegt das Scheidungsbegehren eines der Ehepartner bei Gericht vor, dann sind die gegenseitigen Erbschaftsansprüche der Eheleute in Frage gestellt.

Gleiches gilt, wenn die Ehegatten seit einem Jahr nicht mehr zusammenleben, einer der Partner die Scheidung beansprucht und sein Gatte der Scheidung zugestimmt hat. Auch gegen den Willen des einen Partners kann die Scheidungsvoraussetzung erfüllt sein: wenn die Fortsetzung der Ehe auch ohne jede Frist, als unzumutbare Härte für den anderen zu betrachten ist – oder wenn die Ehe nach einem Jahr Getrenntleben als gescheitert anzusehen ist. Sollte zu diesem Zeitpunkt der Erbfall eintreten, so hat der Ehegatte kein Recht mehr, auch wenn er noch nicht rechtskräftig geschieden ist. Auch seine Pflichtteilrechte sind damit erloschen.



 

 

 


Testament/Erbvertrag
Wenn sie ein gültiges Testament abfassen wollen, müssen Sie einige gesetzliche Formschriften beachten, sonst ist Ihr Testament eventuell ungültig. Zuerst müssen Sie aber eine Grundsatzentscheidung treffen: wollen Sie Ihr Testament allein ohne fremde Hilfe, sozusagen im „stillen Kämmerlein“ oder mit Unterstützung eines Notars errichten? Wichtig ist, dass Sie wissen, was Sie wollen und dass Sie die Grundvoraussetzungen erfüllen. Bei Vermögen und zur Rechtssicherheit ist gute Hilfe sinnvoll und letztlich auch billiger, als evtl. spätere Kosten von Erben, die sich vielleicht juristisch auseinandersetzen um Ansprüche geltend zu machen oder abzuwehren.

Privates und notarielles Testament
Sie können zwischen zwei Testamentarten entscheiden: das private oder handschriftliche Testament wird eigenhändig ohne Hinzuziehen eines Notars errichtet. Das notarielle Testament wird unter Beteiligung des Notars errichtet;
es wird vom Notar beurkundet. Es wird amtlich verwahrt beim Nachlassgericht (in Baden-Württemberg: bei den Bezirksnotariaten). Der Testierende erhält einen Hinterlegungsschein. Wird das notarielle Testament aus der amtlichen Verwahrung zurückgezogen, so gilt dies als Widerruf.

Regen für handschriftliche Testamente
Wenn Sie ein Testament beim Notar errichten lassen, brauchen Sie sich über die richtige Form keine Gedanken zu machen, denn der/die Experte/-in wird Ihnen da helfen. Wenn Sie es aber privat ohne Zuziehung von Fachleuten errichten, dann müssen Sie bestimmte Formen wahren:
- Das Testament muss grundsätzlich vom Testierenden persönlich errichtet werden.Er kann sich nicht durch eine andere Person vertreten lassen.
- Im Testament muss der Erblasser seinen Willen hinsichtlich des Nachlasses möglichst klar und unmissverständlich ausdrücken.

Er muss den oder die Erben nennen und erklären, zu welchen Teilen sie erben sollen. Das Testament muss - auch im EDV-Zeitalter - handschriftlich aufgesetzt werden und zwar vollständig handschriftlich ohne irgendwelche Zusätze mit Schreibmaschine. Die Handschrift muss lesbar sein. Ausgebessert, durchgestrichen oder radiert sollte möglichst nicht werden, da dies zu Unklarheiten führen kann. Wenn Sie wirklich einmal verbessern müssen: Streichen Sie das falsche Wort durch, dass es noch lesbar bleibt und schreiben Sie dann einfach weiter.
- Das Testament muss von Ihnen eigenhändig unterschrieben sein.
- Das Testament muss Ort und Datum der Ausstellung enthalten.

Erbvertrag

Die Errichtung des Erbvertrages
Der Erbvertrag ist wie das Testament eine Verfügung von Todes wegen. Jedoch ist der Erbvertrag, anders als das Testament, kein einseitiges sondern ein zweiseitiges Rechtsgeschäft und besteht in der Regel aus mindestens zwei Willenserklärungen.
Möglich ist aber auch, dass der Erblasser im Erbvertrag allein und dennoch vertraglich bindend verfügt, etwa indem er eine Person zum Alleinerben einsetzt, ohne dass diese dazu eine Willenserklärung abgibt. So entsteht ein einseitiger Erbvertrag. Der Erbvertrag kann nur von einem Notar errichtet werden. Für den Vertragsabschluss ist die Gegenwart aller Vertragspartner erforderlich. Wer einen Erbvertrag abschließt, muss volljährig und unbeschränkt geschäftsfähig sein. Nur Verlobte und Ehegatten können ausnahmsweise auch schon vor ihrer Volljährigkeit einen Erbvertrag errichten. Sie benötigen dazu allerdings die Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertreter.
Einen Erbvertrag können Sie wie ein notarielles Testament errichten. Rechtsgültig wird der Vertrag, wenn er vorgelesen, genehmigt und von den Vertragspartnern eigenhändig unterschrieben ist.